Nürnberger Bündnis Nazistopp
 
      
 
Druckversion

*** Scheinfeld, 2. August 2014 (Samstag): NAZIKONZERT ABGESAGT!!!
*** Verbotenes Neonazikonzert in Scheinfeld Mai 2014 – Anmerkungen zu einigen der bei den Behörden eingereichten Songtexte durch das ISFBB Nürnberg: hier klicken!
*** Wir bitten euch weiterhin herzlichst um SPENDEN für unsere laufende Arbeit - informative Homepage, Mailverteiler, Aktionen und Veranstaltungen gegen Nazis, Solidarität mit Opfern rechter Gewalt - Wir freuen uns auch sehr über kleinere Beträge! Bitte schaut mal in eure Geldbörse! Kontonummer siehe Kontakt, Spendenaufruf, Impressum auf dieser Homepage. Herzlichen Dank an alle bisherigen SpenderInnen!
*** Wichtige Hintergründe sind in der sehr informativen Broschüre "Braune Soß aus Franken – Strukturen der Neonazis und extrem Rechten in Mittel- und Oberfranken und der Widerstand dagegen" nachzulesen! Bestellungen zum Preis von jetzt 5 Euro zzgl. Porto und Verpackung über die Mail-Adresse mail@argumente-netzwerk.de. Direktverkauf bei ver.di K.I.B.S. (Nürnberger Gewerkschaftshaus, Kornmarkt, Erdgeschoss). Kurzbeschreibung: hier klicken!

Scheinfeld: Nazikonzert abgesagt! Wachsamkeit ist dennoch weiter gefragt! (Juli 2014)

Laut nordbayern.de (25.7.14) wurde die Anmeldung für ein am Samstag, den 2. August in Scheinfeld geplantes Nazikonzert zurückgezogen. Der Veranstalter habe als Grund die Absage einer für das Konzert eingeplanten Rechtsrockband angegeben.

Im Mai hatten mehr als 2000 NazigegnerInnen in Scheinfeld gegen Nazikonzert und NPD-Bayerntag demonstriert. Das Nazikonzert wurde schließlich verboten; die beim NPD-Event verbliebenen Nazis sahen sich von lautstark protestierenden AntifaschistInnen umzingelt und beendeten ihre Veranstaltung mit einem Gewaltausbruch, der sich vor allem gegen die Polizei richtete.

Die Mobilisierung aus den Reihen der nordbayerischen Bündnisse gegen Rechts zu druckvollem Protest gegen das erneute Rechtsrockkonzert war bereits im Gange. Auch nach dieser Konzertabsage ist langfristig Wachsamkeit gefragt.

nordbayern.de ("Nazi-Konzert in Scheinfeld abgesagt", 25.7.2014): hier klicken!

Weißenburg: Neonazis solidarisch mit verbotenem "Freien Netz Süd" (FNS) - rechte Propaganda im Schulzentrum (Juli 2014)

Im Weißenburger Schulzentrum tauchten in der Nacht nach der polizeilichen Umsetzung des FNS-Verbots "mehrere Plakate mit rechten Parolen und Schmähungen gegen Polizeibeamte und das erlassene Verbot des FNS" auf, wie das Weißenburger Landkreisbündnis gegen Rechts am 25. Juli mitteilte.

Lichtenfels: Frau wurde wegen Teilens von Hitlerbildern und Hakenkreuzen auf Facebook verurteilt - vor Gericht agierte sie in Reichsbürger-Manier (Juli 2014)

obermain.de (23.7.14) berichtete über die Gerichtsverhandlung gegen eine 54-Jährige aus Bad Staffelstein. Die Frau wurde wegen Teilens von Hitlerbildern und Hakenkreuzen auf Facebook zu einer Geldstrafe von 800 Euro verurteilt. Vor Gericht habe sie äußerst bizarr agiert. So habe sie sich nicht setzen wollen und habe die Legitimität des Gerichts bestritten. Sie habe unter anderem dem Richter gegenüber geäußert: "Welcher Staat legitimiert Sie überhaupt, Ihren Beruf auszuüben?"

Argumentationsmuster dieser Art sind typisch für so genannte "Reichsbürger". Menschen aus dieser - untereinander höchst zerstrittenen - rechten Szene erkennen die Rechtsordnung der Bundesrepublik Deutschland nicht an, postulieren üblicherweise das Fortbestehen eines "Deutschen Reichs" und haben in den letzten Jahrzehnten mehrere miteinander konkurrierende "Kommissarische Reichsregierungen" gegründet, in manchen Fällen inklusive eigener Regierungschefs, Minister, Pässe, Führerscheine usw.

obermain.de ("Verzerrte Realität vor Gericht", 23.7.2014): hier klicken!

Neonazistisches "Freies Netz Süd" als Nachfolgeorganisation der "Fränkischen Aktionsfront" verboten. Oberprex 47 ist dicht. Neonazistische Kameradschaften von Verbot nicht betroffen (Juli 2014)
- aktualisiert -

Wie das bayerische Innenministerium am 23. Juli der Presse mitteilte, sei das neonazistische "Freie Netz Süd" (FNS) nun verboten, da es "die aggressiv-kämpferischen verfassungsfeindlichen Bestrebungen der 2004 verbotenen 'Fränkischen Aktionsfront' an deren Stelle weiter verfolgte". Es sei auch Vermögen "Dritter" beschlagnahmt worden, das der Förderung des FNS gedient habe. Das Innenministerium weiter: "Dies betrifft zum einen das Grundstück Oberprex 47 in Regnitzlosau und zum anderen Gegenstände des 'Final Resistance Versandes', der von diesem Grundstück aus die Aktivitäten des 'Freien Netz Süd' unterstützte". Das Anwesen Oberprex 47 werde seit dem frühen Morgen durchsucht.

Wie die Neue Presse Coburg online berichtete, werde Oberprex 47, also Gebäude und Grundstück, nun von der Regierung von Oberfranken verwaltet. Beschlagnahmt worden sei auch "der gesamte Warenbestand" des Neonazi-Versandhandels "Final Resistance", der zuletzt von Oberprex aus von der Matthias Fischer & Tony Gentsch GbR betrieben worden war. Die FNS-Internetseite wurde zuletzt nicht mehr aktualisiert und ist nun nicht mehr erreichbar.

Diese Maßnahmen, auch die Benennung des FNS als Nachfolgeorganisation der verbotenen "Fränkischen Aktionsfront", sind einerseits sehr zu begrüßen. Andererseits ist das Verbot seit Jahren überfällig. Die lange Zeit seitens staatlicher Stellen vorgeschobene Schutzbehauptung, beim FNS habe es sich "nur" um eine Internetplattform gehandelt, wird damit auch offiziell ad absurdum geführt. Das zwischen der Großrazzia im Juli 2013 und dem heutigen Verbot verstrichene Jahr ließ den FNS-Kadern ausreichend Zeit, um Auffangstrukturen aufzubauen. Den Platz des FNS nimmt bereits seit Längerem die Partei "Der III. Weg" ein. Auf den Internetseiten dieser Partei wird genauso gehetzt wie beim FNS, die Aktionsschwerpunkte scheinen sich nicht allzusehr zu unterscheiden. Robert Andreasch vom aida-Archiv München wies in einem Interview mit dem alternativen Radio Z zudem darauf hin, dass die neonazistischen Kameradschaften, also quasi die Basis des FNS, von diesem Verbot nicht betroffen sind.

(23.7.14)

nordbayern.de ("Endstation Rechts: 'FNS war nur noch leere Hülle'", 26.7.2014): hier klicken!, nordbayern.de ("'Das FNS-Verbot kommt zu spät'", 25.7.2014): hier klicken!, Endstation Rechts Bayern ("»Besser zu spät als nie« – »Freies Netz Süd« wird verboten", 24.7.2014): hier klicken!, nordbayern.de ("Neonazi-Organisation 'Freies Netz Süd' verboten", 23.7.2014): hier klicken!, BR online ("Neonazi-Organisation verboten", 23.7.2014): hier klicken!, Neue Presse Coburg ("Herrmann verteidigt lange Dauer bis zu Verbot von Neonazi-Netzwerk", 23.7.2014): hier klicken!, Radio Z ("Freies-Netz-Süd verboten: Was bringt's?", 23.7.2014): hier klicken!

Altdorf: Antisemitische Parolen auf Rathaus und Mittelschule (Juli 2014)

Laut nordbayern.de (23.7.14) wurden das Altdorfer Rathaus und eine Mittelschule in der Stadt mit antisemitischen Parolen beschmiert. Zudem seien mehrere Fensterscheiben des Rathauses eingeschlagen worden. AnwohnerInnen hätten in der nach von Montag auf Dienstag sechs fliehende Männer beobachtet.

nordbayern.de ("Rathaus in Altdorf mit antisemitischen Parolen beschmiert", 23.7.2014): hier klicken!

Scheinfeld: Erneuter Versuch von Patrick Schröder, am 2. August ein Rechtsrockkonzert in der Nazi-Disco durchzuziehen? Gegenproteste angekündigt. Terminkollission mit Jugendtreff-Open-Air? (Juli 2014)
- aktualisiert -

Wie einer Pressemitteilung des Landratsamts Neustadt a. d. Aisch / Bad Windsheim vom 22. Juli zu entnehmen ist, gibt es erneut eine Anmeldung für ein Rechtsrockkonzert in der Nazi-Disco in Scheinfeld. "Der aus dem Lager der rechten Szene bekannte Anzeigeerstatter und vermeintliche Veranstalter", also vermutlich Patrick Schröder, habe "voraussichtlich" für Samstag, den 2. August angemeldet.

Verschiedene Bündnisse gegen Rechts, auch das Scheinfelder Bündnis, kündigten bereits Gegenproteste an. Eine Gegenkundgebung wurde bereits aus den Reihen der nordbayerischen Bündnisse gegen Rechts angemeldet! Weitere Infos demnächst!

Ergänzung: Wie zu erfahren war, sollen am 2. August in unmittelbarer Nähe der Nazi-Disco ein Open-Air-Konzert des Scheinfelder Jugendtreffs Aloisius sowie ein Familienzeltlager stattfinden. Eigentlich genügend Verbotsgründe für die zuständigen Behörden...

(22.7.14, ergänzt 23.7.14)

radio8.de ("Scheinfeld muss sich wieder wehren", 23.7.2014): hier klicken!

Nürnberg: "Kritik am Militäreinsatz Israels im Gazastreifen ist legitim und notwendig - Antisemitismus nicht" - Anmerkungen zu einigen antisemitischen Parolen auf der "Freiheit für Palästina"-Demonstration (Juli 2014)

Am Samstag, den 19. Juli fand in Nürnberg eine "Freiheit für Palästina"-Demonstration mit zeitweise bis zu 3000 TeilnehmerInnen statt. Auslöser war wohl der jüngste massive israelische Militäreinsatz im Gazastreifen. Eskalierende kriegerische Konflikte geben leider häufig Anlass zu nationalistisch geprägten, einseitig verzerrten Darstellungen der jeweiligen Geschehnisse nebst Vorgeschichte. Das war auch auf dieser Demo der Fall, ist aber nicht unser Bündnisthema.

Scharf zu kritisieren sind jedoch die auf der Demo zu beobachtenden antisemitischen bzw. besonders in Deutschland nicht tragbaren Boykott-Parolen. So war ein Plakat mit der Aufschrift "Boykottiert das 4. Reich / Zionisten = Nazis" zu beobachten, versehen mit einem blauen Davidstern auf einem schwarzem Hakenkreuz, weiterhin ein Plakat mit der Aufschrift "Nieder nieder Israel". Von einigen KundgebungsteilnehmerInnen getragen wurden T-Shirts mit dem Slogan "Boykott Israel" neben einem durchgestrichenen Davidstern. Ein Boykottaufruf gegen Israel / Juden / "Zionisten" in Deutschland erinnert an die entsprechenden Aufrufe der Nazis. Ein Vergleich der israelischen Regierungspolitik mit dem NS-Regime ist mindestens dumm, relativiert und verharmlost zudem die NS-Verbrechen. Ein antisemitischer Hintergrund derartiger Parolen ist wahrscheinlich.

Den Kern getroffen hat ein Kommentator des alternativen Radio Z: "Kritik am Militäreinsatz Israels im Gazastreifen ist legitim und notwendig - Antisemitismus nicht".

Radio Z ("Kommentar zu Friedensdemo am Samstag in Nürnberg", 21.7.2014): hier klicken!, http://blog.nz-online.de ("Nahostdemos und das Schweigen im Walde", 21.7.2014): hier klicken!, nordbayern.de ("Demonstranten stürmten Fast-Food-Filiale in Nürnberg", 21.7.2014): hier klicken!

Nürnberg: Welchen Hintergrund hatte der brutale Angriff auf Obdachlose am Wochenende? (Juli 2014)

Laut nordbayern.de vom 20. Juli wurden in der Nacht von Samstag auf Sonntag in der Nähe der U-Bahn-Station Wöhrder Wiese aus einer Gruppe von sechs oder sieben jungen Männern heraus zwei obdachlose Männer zunächst beleidigt und später angegriffen. Laut den bisher vorliegenden Informationen schlugen zwei Haupttäter, junge männliche Erwachsene, den Opfern brutal ins Gesicht.

Wir sind zwar keine HellseherInnen, was die Motivation der Schläger betrifft. Dennoch sei darauf hingewiesen: Unter den fast 200 Todesopfern rechter Gewalt in Deutschland seit der Wiedervereinigung befinden sich auch einige Obdachlose, die ermordet worden sind, weil sie von den Tätern als minderwertig betrachtet worden sind.

nordbayern.de ("Junge Männer verprügeln Obdachlose in U-Bahn-Station", 20.7.2014): hier klicken!

Nürnberg / Fürth: Nazis agitieren bei Infoveranstaltungen zu Flüchtlingsunterkünften und werden von den VeranstalterInnen nicht daran gehindert. In einem Fall wird der Naziauftritt sogar verschwiegen. Stadtrat der rassistischen "Bürgerinitiative Ausländerstopp" (BIA) kündigte im Juni Widerstand gegen Flüchtlingseinrichtungen an (Juli 2014)
- aktualisiert -

Die uns zugegangenen Nachrichten gleichen sich: Sowohl in Fürth (Vach) als auch in Nürnberg (Eibach) sollen Nazis in den letzten zwei, drei Wochen bei Infoveranstaltungen zu lokalen Flüchtlingsunterkünften aufgetreten sein und massiv gegen Flüchtlinge agitiert haben. Das eigentlich Erschreckende ist nicht die Vorgehensweise der Nazis, handelt es sich doch um eines ihrer ureigensten Themen, sondern die Untätigkeit der jeweiligen VeranstalterInnen. Werden Nazis bei derartigen Veranstaltungen toleriert, geht man ihnen auf den Leim und unterstützt de facto ihre Wortergreifungsstrategie.

(10.7.14)

Mittlerweile liegt uns die Online-Berichterstattung des "Vorstadtverein Nürnberg-Eibach / Maiach e.V." zu einer der oben genannten Veranstaltungen vor. Die "Infoveranstaltung zur Asylbewerberunterkunft in Maiach" fand am 9. Juli im Gemeindesaal der Johanneskirche im Nürnberger Stadteil Eibach statt und wurde zusammen mit der Stadt Nürnberg organisiert. Auf dem Podium saßen unter anderem Sozialamts-Leiter Dieter Maly, Martina Mittenhuber vom Menschenrechtsbüro sowie Martina Sommer (AWO-Sozialbetreuung). Aus dem Bericht geht an keiner Stelle hervor, dass diverse Neonazis anwesend waren und entsprechend agitierten. Stattdessen heißt es verharmlosend im Text: "In der anschließenden Diskussionsrunde wurden viele Ängste der Anwohner deutlich".

In einem offenen Brief an den Vorstadtverein Nürnberg-Eibach hatte BIA-Stadtrat Ralf Ollert bereits Mitte Juni angekündigt, "die Einrichtung eines Asylantenheimes (nicht) klaglos und widerstandslos hinzunehmen" (Beitrag auf www.mein-mitteilungsblatt.de/nuernberg-eibach, eingestellt von Ralf Ollert am 16. Juni 2014). Der Vorstadtverein wäre also gewarnt gewesen.

(18.7.14)

Fürth: Führender Neonazi verlässt Bayern (Juli 2014)

Nach Informationen des Störungsmelder (12.7.14) verlässt der führende Neonazi-Aktivist Matthias Fischer Bayern in Richtung Brandenburg. Der in Fürth wohnhafte, vorbestrafte Fischer war in den vergangenen Jahren in verschiedenen Neonazi-Gruppen aktiv, zuletzt im Kameradschaftsverbund "Freies Netz Süd" und in der Partei "Der III. Weg". Der Grund des Umzugs ist unbekannt. Ob der Umzug auch mit einem politischen Rückzug aus Bayern verbunden ist, ist ebenfalls unklar.

Störungsmelder ("Die bayerische Neonaziszene verliert einen führenden Kopf", 12.7.2014): hier klicken!

Nürnberg: Mann lief samstagmittags mit Reichskriegsflagge durch den Hauptbahnhof - schwere Verletzungen nach Schlägerei und Sturz (Juli 2014)

Der Hintergrund einer bundesweit verbreiteten Nachricht ist reichlich unklar: So sei am vergangenen Samstagmittag ein 41-jähriger Mann "mit türkischen Wurzeln" (Polizeibericht) durch den Nürnberger Hauptbahnhof gelaufen, habe dabei eine Reichskriegsflagge geschwenkt und "rechtsradikale Parolen" gerufen. Zwei andere Männer (33 und 20 Jahre alt) hätten versucht, ihm die Flagge abzunehmen. Einer der beiden habe den Flaggenträger geschlagen, der daraufhin schwer gestürzt sei und wiederbelebt werden musste. Die beiden Angreifer seien später festgenommen worden.

nordbayern.de ("Neonazi mit Migrationshintergrund ins Koma geprügelt", 13.7.2014): hier klicken!

Nürnberg / Fürth: Systematischer Nazi-Terror im Stadtteil Hasenbuck gegen türkischstämmigen Lebensmittelhändler. Vorgeschichte im April in Fürth: Vermummte Nazi-Frau drohte mit Brandanschlag auf Geschäft und zeigte im Laden den Hitlergruß (Juli 2014)
- aktualisiert -

Die Printausgabe der Nürnberger Nachrichten berichtete am 4. Juli ausführlich: Ein türkischstämmiger Lebensmittelhändler will mit seinem Lebensmittelmarkt von St. Leonhard nach Hasenbuck umziehen. Dort stehe an der Ingolstädter Straße ein ehemaliger Edeka-Markt leer. Seit der Bekanntgabe der Umzugsabsichten Mitte Juni hagelte es Nazi-Terror gegen den noch nicht eröffneten Laden: "Zuerst warfen bislang Unbekannte einen alten Fahrradrahmen in eine Scheibe an der Eingangstüre. Einen Tag später warf jemand einen Stein in ein Fenster, noch einen Tag später zerstörten die Täter mit einer Eisenstange weitere Glasscheiben" (NN, 4.7.14). Und so weiter und so fort. Letztes Wochenende wurden dann Naziparolen und Hakenkreuze auf die Wände geschmiert.

Der aktuelle Nazi-Terror hat eine Vorgeschichte in Fürth: Die Familie betreibt auch einen Lebensmittelladen an der Schwabacher Straße in Fürth. Dort habe am 16. April eine vermummte Nazi-Frau den Laden betreten, ein Feuerzeug gezuckt und damit gedroht, "dass sie alles hier in Brand stecken will". Schließlich habe sie den Hitlergruß gezeigt, sei in einen draußen wartenden weißen Wagen mit männlichem Fahrer gestiegen.

Diese Vorfälle zeigen erneut, wie gefährlich und menschenverachtend die hiesige Naziszene ist.

Update: Laut nordbayern.de vom 19. Juli geht der Terror weiter. Nach der Entfernung der ersten Parolen wurden die Nazis erneut aktiv: Sie beschmierten Flächen mit einem Hakenkreuz sowie mit den Begriffen "Adolf" und "Nazideutschland". Der Bürgerverein Hasenbuck solidarisierte sich mittlerweile mit der betroffenen Familie und distanzierte sich von den Schmierereien "mit nationalsozialistischem Gedankengut".

nordbayern.de ("Nazi-Parolen an Lebensmittel-Laden in Nürnberger Südstadt", 19.7.2014): hier klicken!

Oberprex: Neonazistisches Event fand am 12. Juli statt - "Das ufert aus, je mehr Raum man ihnen lässt" - Regnitzlosauer Initiative für Demokratie "verzichtete" auf druckvollen Protest gegen die Nazis vor Ort in Oberprex (Juni / Juli 2014)
- mehrfach aktualisiert -

Wie bereits länger bekannt, planten Neonazis rund um die Partei "Der III.Weg" (Ex-"Freies Netz Süd") für den 12. Juli ein "Oberprexer Bürgerfest" in der berühmt-berüchtigten Immobilie Oberprex 47. Als Redner waren laut aida-Archiv München Tony Gentsch, Matthias Fischer und Rico Döhler vorgesehen. Zwei neonazistische Liedermacher sollten auftreten. "Bürgerfest" durften die Nazis schließlich die ganze Chose nach einem entsprechenden Gerichtsbeschluss nicht mehr nennen. Laut frankenpost.de (13.7.14) trafen sich ca. 100 Nazis in Oberprex.

Der Hintergrund: In Oberprex (Gemeinde Regnitzlosau) und im etwa 20 km entfernten Unterhartmannsreuth (Gemeinde Feilitzsch) befinden sich Immobilien, die seit Jahren eine wichtige Rolle für die bayerische und die überregionale Neonazi-Szene spielen. Dort versammeln sich relativ ungestört regelmäßig Nazis, bauen ihre Organisationen auf und versorgen die rechte Szene per Internet-Versand mit Propagandamaterial. Die Widerstandbedingungen vor Ort sind bisher für die Neonazis ebenfalls relativ günstig: Die Landbevölkerung ist widerstands-unerprobt, die lokalen PolitikerInnen halten sich meist vornehm zurück oder ignorieren die Nazi-Umtriebe. Aber auch die viel beschworene Zivilgesellschaft kommt nicht in Gang, obwohl die 45.000-Einwohner-Stadt Hof in unmittelbarer Nähe liegt. Man konnte gespannt sein, wie die Region auf das Nazi-Event am 12. Juli reagieren würde...

In einem Online-Artikel der "Frankenpost" (26.6.14) wurde die grüne Bundestagsabgeordnete Elisabeth Scharfenberg unter anderem mit den warnenden Worten zitiert: "Heute ist es das Oberprexer, morgen das Regnitzlosauer Bürgerfest. Das ufert aus, je mehr Raum man ihnen lässt".

Auf der Homepage euroherz.de (4.7.14) wurde berichtet, die "Regnitzlosauer Initiative für Demokratie" verzichte auf eine Protestveranstaltung direkt in Oberprex bewußt, "man respektiere damit den ausdrücklichen Wunsch der dortigen Anwohner". Am Samstag fand schließlich ab 13 Uhr mehrere Kilometer von der Nazi-Immobilie entfernt auf einem Sportgelände in Regnitzlosau ein "stiller Protest" mit ca. 150 TeilnehmerInnen statt. Druckvoller Widerstand war das nicht, die Nazis werden dies als weiteren Freibrief verstehen. Die "Regnitzlosauer Initiative für Demokratie" ist eine Art Zusammenschluss des Gemeinderates, eines Kirchenvorstandes, diverser Vereine und der Parteien CSU und SPD.

Frankenpost ("Rote Karte gegen braune Umtriebe", 13.7.2014): hier klicken!, Frankenpost ("Stiller Protest: Vereine setzen Zeichen gegen Rechts", 12.7.2014): hier klicken!, Frankenpost ("Stiller Protest gegen 'braunes Fest'", 5.7.2014): hier klicken!, Frankenpost ("Widerstand gegen 'Bürgerfest'", 26.6.2014): hier klicken!

Nürnberg: Nazi-Vandalen beschädigten leerstehendes Gebäude und beschmierten es mit Hakenkreuzen und Nazi-Parolen (Juni 2014)

Laut nordbayern.de (30.6.14) beschädigten Nazi-Vandalen einen leerstehenden Supermarkt im Nürnberger Stadtteil Hasenbuck, schmierten Hakenkreuze auf Wände und brachten die Parole "Adolf Hitler" an.

nordbayern.de ("Unbekannte beschmieren Supermarkt mit Hakenkreuzen", 30.6.2014): hier klicken!

Forchheim: "Es ging uns um die hetzerischen Slogans, die Gruppen, die hier wohnen, verletzen könnten" - Abiturienten wegen Beschädigung von NPD-Plakaten zu Geldstrafe und Sozialstunden verurteilt (Juni 2014)

Wie nordbayern.de (30.6.14) berichtete, wurden drei Forchheimer Abiturienten wegen Beschädigung von 25 Wahlplakaten der NPD im April diesen Jahres gerichtlich verurteilt. Einer der Verurteilten habe vor Gericht angemerkt, dass in der Anklageschrift "alles, was er damals bei sich getragen habe, als Tatwerkzeug aufgeführt wird, sogar ein Feuerzeug".

nordbayern.de ("Abiturienten müssen 125 Euro an die NPD überweisen", 30.6.2014): hier klicken!

Nürnberg: "Sieg Heil" und Hitlergruß im Bahnhofsgebäude (Juni 2014)

Laut nordbayern.de (29.6.14) zeigte ein 37-jähriger Mann am Samstag im Nürnberger Bahnhofsgebäude den Hitlergruß und schrie "Sieg Heil".

nordbayern.de ("'Sieg Heil'-Rufe und Hitlergruß am Nürnberger Hauptbahnhof", 29.6.2014): hier klicken!

Amberg: Hakenkreuzschmierereien entlang Staatsstraße (Juni 2014)

Wie die Mittelbayerische Zeitung (29.6.14) berichtete, seien entlang der Staatsstraße von Amberg in Richtung Lintach mehrere Hakenkreuze sowie "diverse Schriftzüge" angebracht worden.

mittelbayerische.de ("Kripo sucht nach Hakenkreuz-Schmierern", 29.6.2014): hier klicken!

Nürnberg: "Respekt"-Schild nach wiederholter Beschädigung und Zerstörung nun im Inneren des Gewerkschaftshauses angebracht (Juni 2014)

Ein an der Außenfront des Nürnberger Gewerkschaftshauses angebrachtes Schild mit der Aufschrift "Respekt! Kein Platz für Rassismus" wurde nun im Inneren des Gebäudes angebracht, wie die Printausgabe der Nürnberger Nachrichten (28.6.14) berichtete. Grund für die Innen-Anbringung war die wiederholte Beschädigung und Zerstörung des Schildes in den letzten Jahren.

Oberfranken / Thüringen: Ehemaliger Neonazi-Spitzel des Verfassungsschutzes im NSU-Umfeld in Untersuchungshaft - wegen Verdachts auf sexuellen Missbrauch von Kindern (Juni 2014)

Der zeitweise auch in Oberfranken aktive Neonazi und ehemalige V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes Tino Brandt sitzt laut Medienberichten seit Kurzem in Untersuchungshaft. Es werde unter anderem wegen Verdachts auf Kindesmissbrauch gegen ihn ermittelt.

Brandt hatte in Thüringen und Oberfranken Neonazigruppen aufgebaut und zeitweise geleitet und erhielt gleichzeitig regelmäßig Geld vom Staat für seine Spitzeltätigkeit. In Verruf kam die ganze Angelegenheit erneut nach der Selbstenttarnung des "Nationalsozialistischen Untergrundes" (NSU) im November 2011, weil Brandt im direkten Umfeld der späteren NSU-Terroristen agiert hatte. Sein Bezug zum NSU ist nach wie vor unaufgeklärt.

Brandt soll demnächst im Münchner NSU-Prozess als Zeuge auftreten. Im Rahmen dieses Prozesses sagte vor einigen Wochen ein mittlerweile pensionierter Verfassungsschützer zum Thema Tino Brandt aus. Dieser sei "kooperativ und ehrlich" gewesen.

Thüringer Allgemeine ("Verdacht auf Kindesmissbrauch: Mutmaßlicher NSU-Helfer Brandt in Haft", 26.6.2014): hier klicken!, Süddeutsche Zeitung ("Neonazi Tino Brandt in Untersuchungshaft", 26.6.2014): hier klicken!

Nürnberg: Nationalistisch motivierter Angriff in der Altstadt auf Fußball-Fans mit Ghana-Flagge (Juni 2014)

Wie uns am Sonntag, den 22. Juni mitgeteilt wurde, wurden zwei Männer in der Nacht von Samstag auf Sonntag in der Nürnberger Altstadt in der Nähe des Hauptmarktes von offensichtlich nationalistisch motivierten "Club"- und Deutschland-Fans angegriffen. "Grund für den Angriff war offenbar eine kleine Ghanafahne, die wir ebenfalls dabeihatten und die den ganzen Abend in Kneipen und auf der Straße für positiv ausgelassene Stimmung gesorgt hatte", so die Schilderung der Angegriffenen, die sich bis auf besagte kleine Ghanafahne äußerlich nicht von anderen Fußball-Fans unterschieden hätten ("Club"- und DFB-Trikot).

Der nationalistisch motivierte Angriff sei folgendermaßen abgelaufen: Nach einigen Beschimpfungen aus einer Gruppe von etwa fünf jungen Männern heraus (z.B. "schwule Flagge" und "Was seid ihr denn bitte für Deutsche"; das Wort "Nationalstolz" sei öfters gefallen) hätten die aggressivsten den Berichterstattern die Ghana-Flagge entrissen und diese in die Pegnitz geworfen. Dabei seien die Berichterstatter leicht verletzt worden ("Zu größeren Verletzungen kam es zum Glück nicht, nur ein verstauchter Knöchel und eine blutige Hand"). Eine weitere Eskalation sei durch den gemäßigten Teil der Gruppe sowie weitere Passanten verhindert worden.

(23.6.14)

Nürnberg: Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge wegen rassistischer Äußerungen gefeuert - und eben doch nicht gefeuert (Juni 2014)
- aktualisiert -

Wie nordbayern.de (23.6.14) berichtete, wurde ein Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wegen rassistischer Äußerungen auf der facebook-Seite der Behörde entlassen. Er habe unter anderem ein "Kultivierungsseminar" für "Afrostämmige" vorgeschlagen, um diese zu "europäisieren". Der BAMF-Mitarbeiter bezweifelte offensichtlich, dass MigrantInnen eine Wohnung sauber halten können und zeigte Verständnis für rassistische VermieterInnen.

Ergänzung: Der rassistische BAMF-Mitarbeiter muss wohl "nur" das BAMF verlassen. Laut Printausgabe der Nürnberger Nachrichten (24.6.14) kehre der Aushilfsmitarbeiter "an seinen Arbeitsplatz in einer anderen Behörde zurück". Diese andere Behörde könnte zum Beispiel das Verteidigungsministerium oder die Bundespolizei sein, wie einem Artikel auf der GdP-Homepage zu entnehmen ist (hier klicken!).

nordbayern.de ("Nach Rassismus-Eklat: BAMF wirft Mitarbeiter raus", 23.6.2014): hier klicken!, mainpost.de ("Rassistische Kommentare auf Facebook", 22.6.2014): hier klicken!

Nürnberg: Falsche Zahlungen an Yaşar-Erben durch Polizei (Juni 2014)

Wer die skandalösen polizeilichen Ermittlungen in Sachen NSU-Opfer zur Kenntnis genommen hat, kann sich über die neueste Zeitungsmeldungen (u.a. nordbayern.de und focus.de, 17.6.14) in dieser Richtung nicht mehr wundern. Nach dem Mord an İsmail Yaşar im Jahr 2005 in Nürnberg beschlagnahmte die Polizei dessen Barvermögen und verschiedene Wertgegenstände. In Übereinstimmung mit der damaligen rassistisch geprägten Hauptermittlungsrichtung bestand der Verdacht, dass Yaşar in kriminelle Geschäfte verwickelt gewesen sein und das Vermögen daher stammen könnte.

Nach der Selbstenttarnung des "Nationalsozialistischen Untergrundes" (NSU) im Jahr 2011 wurde das Vermögen der Ex-Frau mit minderjährigem Sohn übergeben. Übersehen wurde offensichtlich eine erwachsene Tochter des Mordopfers, die nun gegen die Polizei auf Schadensersatz klagt. Die erbberechtigte Tochter wird von focus.de (17.6.14) zitiert: "Das ist unfassbar, schließlich haben sie mich nach dem Mord doch vernommen. Aber als es um die Aushändigung des Erbes ging, hat man mich angeblich vergessen. Jetzt wundert mich nicht mehr, dass diese Ermittler den Naziterroristen nicht auf die Spur kamen." Von ihrem möglichen Erbanspruch habe die Nebenklägerin im Münchner NSU-Prozess durch das Studium der Prozessakten erfahren.

nordbayern.de ("Nürnberger Polizei zahlt Erbe nicht an Tochter von NSU-Opfer aus", 17.6.2014): hier klicken!, focus.de ("Nächste NSU-Panne: Polizei zahlte Erbe an falsche Frau", 17.6.2014): hier klicken!

Nürnberg, 13. Juni: Gyulaer Straße / Siemensstraße - Antifaschistisches Gedenken dreizehn Jahre nach dem neonazistischen Mord an Abdurrahim Özüdoğru (Juni 2014)


Gedenken an die Ermordung von Abdurrahim Özüdoğru vor dreizehn Jahren (Fotos: Nürnberger Bündnis Nazistopp)

Dreizehn Jahre nach dem neonazistischen Mord an Abdurrahim Özüdoğru in seiner Schneiderei in der Gyulaer Straße / Ecke Siemensstraße trafen sich etwa 60 Menschen aus verschiedenen politischen Spektren zu einer Gedenkkundgebung. Aufgerufen hatte die Initiative "Das Schweigen durchbrechen". Einige Reden umrahmten eine Gedenkminute, die Anbringung einer provisorischen Gedenktafel sowie eine symbolische Straßenumbenennung.

Bei einer am gleichen Tag durchgeführten Besichtigung des ehemaligen NSU-Tatorts Liegnitzer Straße in Langwasser (Ermordung von Enver Şimşek 2000) wurden einige Naziparolen entdeckt, teilweise bereits übermalt.


Naziparole "88", das heißt "Heil Hitler", gesehen in der Nähe des NSU-Tatortes Liegnitzer Straße, Langwasser (Foto: Nürnberger Bündnis Nazistopp)

(13.6.14)

nordbayern.de ("Gegen das Nicht-Gedenken der Nürnberger NSU-Opfer", 14.6.2014): hier klicken!

Nürnberg / Neustadt-Waldnaab: Hitlergruß und "Heil Hitler" auf dem Bahnhofsgelände (Juni 2014)

Wie ostbayern-kurier.de (12.6.2014) berichtete, hätten bereits am 31. Mai auf dem Bahnhofsgelände von Neustadt/Waldnaab (Oberpfalz) Neonazis den Hitlergruß gezeigt und "Heil Hitler" gerufen. Die Nazis, fünf bis sechs Männer sowie eine Frau, seien mit der Bahn aus Nürnberg angereist.

ostbayern-kurier.de ("Wer kennt die rechten Spinner?", 12.6.2014): hier klicken!

Nürnberg, 9. Juni: Antifaschistische Kundgebungen zur Erinnerung an die rassistische Mordserie des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (Juni 2014)

Die Initiative "Das Schweigen durchbrechen" hatte zu einer Kundgebung am ehemaligen NSU-Tatort Scharrerstraße aufgerufen. Ziemlich genau neun Jahre nach dem brutalen Mord an İsmail Yaşar versammelten sich dort etwa 25 AntifaschistInnen. Nach einer Schweigeminute sei "eine Gedenktafel angebracht und die Straße symbolisch in İ.-Yaşar-Straße umbenannt" worden (Bericht indymedia, 11.6.14). Diese symbolische Aktion habe einen fragwürdigen Polizeieinsatz zur Folge gehabt; VeranstaltungsteilnehmerInnen sowie PressevertreterInnen seien drangsaliert worden, so der Bericht.

Am Nachmittag des selben Tages sei auf einer zweiten kleinen Kundgebung am Aufseßplatz des NSU-Nagelbomben-Attentats in der Kölner Keupstraße gedacht worden.

nordbayern.de ("Platzverweise nach Mahnwache für Opfer der NSU-Morde", 12.6.2014): hier klicken!

Nürnberg: Nazi attackierte 63-Jährigen in der S-Bahn (Juni 2014)

Wie nordbayern.de (10.6.14) berichtete, griff ein 31-jähriger Neonazi aus Fürth während einer S-Bahnfahrt zwischen dem Nürnberger Hauptbahnhof und dem Dutzendteich einen 63-Jährigen an. Dieser habe sich gewehrt und den Nazi in den Schwitzkasten genommen.

Der Neonazi habe zudem mehrere S-Bahn-Passagiere beleidigt, den Hitler-Gruß gezeigt und "Sieg Heil" gerufen.

nordbayern.de ("Fürther Neonazi greift 63-Jährigen im Zug an", 10.6.2014): hier klicken!

Nürnberg: Stimmungsmache unter rassistischen Vorzeichen gegen BettlerInnen an Wertstoffhöfen? (Juni 2014)

Die Bild-Zeitung schoss natürlich mit ihren Parolen wieder einmal den Vogel ab ("Trödel-Händler vor Wertstoffhof immer aggressiver! Polizei macht Jagd auf Müll-Piraten", 27. Mai), aber auch andere Medien ließen sich nicht lumpen ("Weiter 'Wildwest' am Pferdemarkt", Nürnberger Nachrichten vom 17. Mai). Geraunt wird von osteuropäischer Müll-Mafia, von ständig aggressiven MüllsammlerInnen, von unhaltbaren Zuständen. Offen rassistisch aufgeladen ist die Debatte in Nürnberg - noch - nicht.

Kritik kommt von Günther Wagner (amnesty international Lauf/Hersbruck). Er verweist zunächst auf das Beispiel Neunkirchen am Sand: "In Neunkirchen wird mit den Bettlern gesprochen, dort gibt es keinen verstreuten Müll (...), auch keine polizeilichen Zwangsmaßnahmen mehr gegen die bettelnden Unionsbürger aus der Slowakei, vor denen seit etwa 14 Jahren Anlieferer halten." In Nürnberg am Pferdemarkt würde gegen die BettlerInnen dagegen "offenbar einzig durch repressive Maßnahmen" vorgegangen. Wagner kritisiert, dass das Gespräch mit den BettlerInnen nicht gesucht werde. Er schildert eigene Beobachtungen, die den aggressiven Zeitungsschlagzeilen nicht entsprechen. Zum Beispiel: "Einzelne, besonders die Frau, versuchten Autofahrer durch unagressives Winken anzuhalten, was selten gelang. Ein Kombifahrer hielt an, ein Sammler fragte ihn, ob er Brauchbares dabei hat. Der Fahrer ließ ihn in den Kofferraum blicken, diesmal für den Bettler ohne Erfolg." Müll-Piraten? Wildwest? Geht's noch?

(3.6.14)

Fürth: Naziaufkleber im Polizeibus - "Good night left side" und "Anti-Antifa organisieren" (Mai / Juni 2014)
- mehrfach aktualisiert -

Wie die Nürnberger Nachrichten am 20. Mai in ihrer Printausgabe berichteten, hätten Fußballfans beim sonntäglichen Relegationsspiel in Fürth-Ronhof in einem Bus des "Unterstützungskommandos" (USK) der Polizei Naziaufkleber entdeckt und fotografiert. Im Artikel erwähnt wird unter anderem der weit verbreitete Naziaufkleber "Good night left side".

Auf die offiziellen Reaktionen kann man gespannt sein. Offensichtlich gibt es Neonazi-Fans oder -AktivistInnen im bayerischen USK. Wie die Nürnberger Nachrichten schrieben, werden derartige Aufkleber auch vom Nazi-Online-Shop "Final Resistance" mit Sitz im oberfränkischen Oberprex vertrieben.

In einer aktuellen Presseerklärung des Fürther Bündnisses gegen Rechts heißt es unter anderem:
"Es ist nicht nur besorgniserregend, sondern auch ein Skandal, dass Beamte des bayerischen USK neonazistische Aufkleber in ihrem Dienstfahrzeug anbringen. Allerdings könnte dieser Umstand auch einen Rückschluss auf die politische Gesinnung einiger USK-Beamter zulassen. Vielleicht ist das eine Erklärung für etliche Gewaltexzesse gegen Antifaschisten in den letzten Jahren seitens des USK.
Immer wieder fiel das USK mit unverhältnismäßigen Maßnahmen gegen Antifaschisten auf Demonstrationen auf. So zerstörten Einheiten des USK am 1.8.2012 im Rahmen einer Kundgebung gegen die NPD ein Transparent des Fürther Bündnisses gegen Rechts und griffen einzelne Mitglieder tätlich an."


Mittlerweile wurden uns zwei Fotos zugeschickt. Auf dem ersten Foto sieht man einen Polizeibus mit Bamberger Kennzeichen und einer Art Holzkasten hinter der Heckscheibe, seitlich ein runder Aufkleber auf dem Kasten. Auf dem zweiten Foto ist - vermutlich - der selbe Holzkasten zu sehen, in dem sich - wiederum vermutlich - ein Funkgerät befindet. Seitlich sind zwei Nazi-Aufkleber befestigt, und zwar ein runder mit der Aufschrift "Good night left side" und ein rechteckiger mit der Aufschrift "Anti-Antifa organisieren - Den Feind erkennen - Den Feind benennen". Letzterer ist nur teilweise zu erkennen, konnte aber nach einem Blick in das Aufkleberangebot des neonazistischen "Final Resistance"-Versandes rekonstruiert werden. Im Impressum dieses Nazi-Versandes ("True NS Streetwear") sind zu finden: Die Namen der bekannten Neonazis und Aktivisten des "Freien Netz Süd", Matthias Fischer und Tony Gentsch.

Zur Erinnerung: Vor etwa einem Jahr entstanden Fotos einer Lok der Seenlandbahn, die zwischen Pleinfeld und Gunzenhausen in Mittelfranken verkehrt. Auf diesen Fotos war im Fahrerbereich ein auf einem Handbuch angebrachter Nazi-Aufkleber "Good night left side" zu sehen. Das Landkreisbündnis gegen Rechts skandalisierte die Beobachtung und forderte Aufklärung, bekam aber nie eine Antwort.

(20.5.14)

Update 1: Nach einem Bericht des Störungsmelder (22.5.14) soll ein mittlerweile identifizierter junger USK-Polizist für das Anbringen der Nazisticker verantwortlich sein. Während konservative Politiker und Polizeikreise den ganzen Vorgang, wie zu erwarten, verharmlosen und entpolitisieren, weil nicht sein kann, was nicht sein darf, habe mainpost.de (21.5.14) "aus dem Umfeld der Ermittlung" erfahren: "Die zehnköpfige Einheit hat die Aufkleber bei der Überwachung einer „Geburtstagsfeier“ von Neonazis Anfang Mai formlos sichergestellt. „Einer hat sie dann auf die Funkkiste aufgeklebt, ohne sich etwas Böses dabei zu denken.“" Tatsächlich berichtete nordbayern.de (4.5.14) über einen Polizeieinsatz anlässlich einer Feier von 60 Neonazis inklusive Nazikonzert auf einem Privatgrundstück, gelegen zwischen den unterfränkischen Orten Zellingen und Erlabrunn. Nur einmal angenommen, der besagte Polizist habe die Aufkleber bei diesem Einsatz quasi konfisziert und im Polizeibus als eine Art Trophäe angebracht, ist dies auch nicht wesentlich unproblematischer als die Nazi-Hypothese. Zeigt dies doch, wie "ernsthaft" sich zumindest diese Polizeieinheit mit den rechten Terrorstrategien, die hinter den oben genannten Aufklebern stehen, auseinandergesetzt hat. Da fühlt man sich doch gleich sicherer (22.5.14).

Update 2: Laut Medienberichten bleibe die Naziaufkleber-Affäre beim bayerischen USK ohne strafrechtliche Folgen. Ein Ermittlungsverfahren gegen den verantwortlichen Polizisten sei nicht eingeleitet worden (27.6.14).

Störungsmelder ("Naziaufkleber im Polizeiwagen nicht strafbar", 25.6.2014): hier klicken!, nordbayern.de ("Rechte Aufkleber in Polizeiwagen nicht strafbar", 25.6.2014): hier klicken!, Süddeutsche Zeitung Online ("'Gedankenlose' Nazi-Sprüche unter Polizisten", 22.5.2014): hier klicken!, Störungsmelder ("Junger Polizist soll für Nazisticker verantwortlich sein", 22.5.2014): hier klicken!, BR Online ("Polizist übernimmt Verantwortung für Nazi-Aufkleber", 22.5.2014): hier klicken!, mainpost.de ("Neonazi-Aufkleber bei Einsatz gegen Rechtsextreme sichergestellt", 21.5.2014): hier klicken!, Spiegel Online ("Neonazi-Aufkleber im Polizeibus: Ermittlungen konzentrieren sich auf zehn Beamte", 21.5.2014): hier klicken!, nordbayern.de ("Neonazi-Aufkleber in Polizeibus: Ermittlungen eingeleitet", 21.5.2014): hier klicken!, Störungsmelder ("Polizei verklebte Nazisticker", 20.5.2014): hier klicken!, nordbayern.de ("Fürther Fans entdecken Neonazi-Sticker im Polizeibus", 20.5.2014): hier klicken!, Endstation Rechts Bayern ("Sympathiebekundung für rechte Ideologie inakzeptabel", 20.5.2014): hier klicken!, Fanzeit ("“Good night left side”, “Kein Sex mit Zecken”", 20.5.2014): hier klicken!, Publikative.org ("Nazi-Aufkleber in Polizei-Einsatzfahrzeug", 20.5.2014): hier klicken!, Spiegel Online ("Relegation in Fürth: Fußballfans entdecken Neonazi-Sticker in Polizeibus", 20.5.2014): hier klicken!, Süddeutsche Zeitung Online ("Rechte Sprüche im Polizeibus", 20.5.2014): hier klicken!

Plakataktion des Nürnberger Bündnis Nazistopp: "183 Todesopfer durch rassistische Gewalt in Deutschland seit 1990 - Deine Stimme gegen Nazis und Rassist_innen" (Juli/September 2013)




Dies war unsere Plakataktion (nicht nur) zur Landtags- und Bundestagswahl 2013. Die Plakate wurden ab Anfang September auch auf Plakatwänden und Litfaßsäulen verbreitet.

Mit unserer Plakataktion zur Landtags- und Bundestagswahl 2013 fordern wir nicht nur die soziale Ausgrenzung extrem rechter und neonazistischer Parteien (und ihrer WählerInnen, solange sie diese Kräfte unterstützen). Wir problematisieren auch die aus unserer Sicht falsche Zählung der Todesopfer rechter Gewalt seitens der zuständigen Behörden und damit auch der Bundesregierungen.

Jede/r darf das Plakat aufhängen und herunterladen!

Plakate in Größe A 1 und A 3 können bei uns abgeholt werden, so lange der Vorrat reicht (Anfragen über die EMail-Adresse nazistopp.nuernberg@yahoo.de). Gegen Erstattung der Portokosten und eine kleine Spende schicken wir auch Plakate zu. Die Plakate können auch als PDF-Datei heruntergeladen und verbreitet werden: hier klicken!

Wir freuen uns im übrigen sehr über Spenden, da wir das Plakat (Druck und teilweise Aufhängung über die Stadtreklame im September 2013) aus eigenen Mitteln finanziert haben (Kontonummer siehe Kontakt, Spendenaufruf, Impressum auf dieser Homepage, Stichwort "Plakat" angeben!). Danke an Rumpel Druck Nürnberg (niedrige Druckkosten) und alle anderen SpenderInnen für die freundliche Unterstützung!

Aktueller Artikel zum Thema des Cura Opferfonds, der wichtigsten "Datenquelle" für unser Plakat: hier klicken!

Die Bundesregierung zählt derzeit "nur" 63 Tote durch rechtsextreme Gewalt seit 1990

Die offizielle Erfassung rechter Gewalt in der Statistik "Politisch motivierte Kriminalität" (PMK) blendet einen Teil rassistischer Gewalt systematisch aus und trägt so zu deren Verharmlosung bei. So sind in Bayern sechs Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 "staatlich anerkannt", sieben Todesopfer nicht. Dieses von sämtlichen Bundesregierungen durchgeführte und unterstützte "Herunterrechnen" rechter Gewalt dient vermutlich der Imagepflege und der Aufrechterhaltung der offiziösen Extremismustheorie. Das hat nicht nur statistische Folgen: Wie sich im bayerischen NSU-Untersuchungsausschuss bei der Befragung damaliger Ermittler und Zuständiger zeigte, war das allgemeine Ausblenden rassistischer Tatmotivationen üblich und verbreitet. Der Naziszene wurden derartig brutale Taten nicht zugetraut, folglich wurde auch nicht ernsthaft in diese Richtung ermittelt. Dabei würden ein paar Blicke in die von antifaschistischen und antirassistischen Initiativen gesammelten Tatbeschreibungen und Opferberichte vollauf genügen...

Leider ist unser Plakat nicht mehr "aktuell": Neonazis töteten in der Nacht vom 17. auf den 18. Juli 2013 in Kaufbeuren einem Mann

Ein Aktiver unseres Bündnisses äußerte vor kurzem die Hoffnung, dass das Jahr 2013 das erste Jahr seit Jahrzehnten ohne Todesopfer durch rechte Gewalt werden könnte. Der Traum ist aus: In Kaufbeuren erschlug ein Neonazi einen 34-jährigen, aus Kasachstan stammenden Mann. Der Täter und seine Gruppe hatten sich vorher rassistisch geäußert. Der Täter selbst sei zudem einschlägig polizeibekannt. Weitere Informationen des aida-Archivs München: hier klicken!

Nicht offiziell anerkannt als Opfer rechter Gewalt. Ein Beispiel: Klaus-Peter Beer, Amberg 1995, von Neonazis mißhandelt und schwer verletzt in die Vils geworfen, wo er ertrank

Dass Klaus-Peter Beer aus politischen Gründen ermordet wurde, zeigen Tatablauf und politische Einbindung der Täter. Das Internetportal "Mut gegen rechte Gewalt" berichtet: "In der Nacht zum 7. September 1995 wird der Busfahrer Klaus-Peter Beer in Amberg (Bayern) von den rechten Skinheads Richard L. und Dieter M. massiv geschlagen und schwer verletzt in die Vils geworfen. Klaus-Peter Beer ertrinkt. Die beiden Rechten wollen dem 48-jährigen Opfer 'einen Denkzettel verpassen', da sie von dessen Homosexualität wissen. Richard L. und Dieter M. treten unzählige Male mit ihren Springerstiefeln auf das wehrlose Opfer ein und werfen ihn anschließend in die Vils, wo er ertrinkt." Die Täter wurden zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt, sind aber vermutlich schon lange wieder in Freiheit.

Mittlerweile ist bekannt, dass einer der damaligen Täter, Richard L., aus dem Gefängnis heraus Kontakt mit Mandy S. pflegte. Die Nazi-Aktivistin Mandy S. engagierte sich für die mittlerweile verbotene "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige" (HNG). Sie hielt sich eine Zeitlang im fränkischen Raum auf, war in der hiesigen Neonaziszene aktiv und verhalf den untergetauchten Neonazis Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe nach deren Untertauchen 1998 zu einem Unterschlupf. Beate Zschäpe nahm zeitweise die Identität von Mandy S. an.

Danke und Kontakt

Wir danken allen Organisationen und Einzelpersonen, die das Nürnberger Bündnis Nazistopp unterstützen!

Kontakt per Email: nazistopp.nuernberg@yahoo.de

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizensiert nach der Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 2.0 Lizenz. Quellenangabe bei der Verwendung von Texten dieser Homepage: www.nazistopp-nuernberg.de